Die Attraktivität des Rechtspopulismus

Vortrag am 20.10.2017 um 19:30 Uhr; Workshop am 21.10.2017 um 10 Uhr

 

In Deutschland, Europa und der ganzen Welt erleben wir Protestbewegungen, Parteienbildungen und Regierungsumbauten in autoritäre, rechtsgerichtete bis faschistische Richtung. Um die Anziehungskraft dieser neuen Rechtsentwicklungen zu verstehen, müssen wir ihre psychologischen, soziologischen und politischen Dimensionen und Verflechtungen einbeziehen. Dazu gehören existentielle Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten, ebenso wie das Gefühl, von der Politik nicht vertreten zu sein. Die daraus entstehenden Ängste und Aggressionen werden, gelenkt von Propagandisten, durch Abwehrprozesse gegen Minderheiten, Fremde, Schwächere verschoben, und durch aggressiv-maskuline Omnipotenzphantasien kompensiert und kollektiv ausgelebt.

 

Im Workshop soll diesen sozialpsychologischen Zusammenhängen weiter nachgegangen werden. Im Zentrum werden die psychologischen Auswirkungen der neoliberalen Arbeits- und Lebensbedingungen stehen. Dazu gehören sowohl die unsicheren und prekären Arbeitsverhältnisse als auch, einem schnellen Wandel unterliegende, Arbeitsbedingungen, in denen die Individuen mit widersprüchlichen Anforderungen und Versprechungen konfrontiert sind. Dies prägt die sozialen Beziehungen, die Persönlichkeitsstrukturen und die psychischen Belastungen und Störungen.

 

Almuth Bruder-Bezzel, Dr. phil., Dipl.-Psych., Psychoanalytikerin (DGIP, DGPT) in eigener Praxis, Dozentin, Lehranalytikerin, Supervisorin am Alfred Adler Institut (AAI) Berlin, Mitbegründerin des AAI. Wissenschaftliche Arbeiten, Aufsätze, Vorträge und Buchveröffentlichungen seit ca. 1983 vor allem zur Geschichte und Theorie der Individualpsychologie Alfred Adlers, u.a. Seit etwa 10 Jahren zusätzlich immer wieder Vorträge und Aufsätze zum Themenbereich „Psychoanalyse und gesellschaftliche Probleme“ wie Arbeitslosigkeit, Prekariat, neoliberale Identität, Rechtspopulismus.

 

Buchveröffentlichungen: „Alfred Adler. Die Entstehungsgeschichte einer Theorie im historischen Milieu Wiens“ (1983), „Geschichte der Individualpsychologie“ (1991, 1999), „Kreativität und Determination. Studien zu Nietzsche, Freud und Adler“, Mitherausgabe der kritischen Adler-Studienausgabe (1997, 2007, 2009). „Individualpsychologie in Berlin“ (Hg. 2014), Herausgabe der Briefe von Freud an Adler (Zeitschrift für Individualpsychologie, 2011) und erstmalig von Briefen Adlers (mit Gerd Lehmkuhl, 2014), „Neoliberale Identitäten: Der Einfluss der Ökonomisierung auf die Psyche“ (2016).

 

Der Workshop richtet sich an Therapeutinnen und Therapeuten, an Beraterinnen und Berater, sowie an alle am Thema Interessierten.