Die Bilderwelt der Malerin

Lisel Oppel lebte von 1897 bis 1960, geboren und gestorben in Bremen. Sie gehörte zur zweiten Worpsweder Künstlergeneration – seit den frühen 1920er-Jahren entstanden ihre Bilder von Landschaft und Leuten, von der Hamme, den Wiesen, den Tieren auf den Weiden und den Menschen in ihrem bäuerlichen Alltag im Künstlerdorf am Weyerberg. In ihrem Tagebuch schrieb sie jedoch auch von ihrer „Sehnsucht in die weite Welt“. Ihr folgte sie ab 1927, sobald sie das Reisen nur irgendwie finanzieren konnte: über die Schweiz nach Italien, ihrem ersten Sehnsuchtsland. Fünf Jahre verbrachte sie an der amalfitanischen Küste und auf Ischia, wo ihr einziges Kind – unehelich – zur Welt kam. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbrachte sie mit diesem Sohn vor allem auf der Fraueninsel am Chiemsee. Nach Kriegsende blieb sie Worpswede treu, denn hier hatte sie ihr Publikum und die Kunden für die Fülle ihrer Bilder. Monatelang aber reiste sie auch weiterhin in den Süden, kaum noch nach Italien, sondern nun nach Spanien, Marokko und zum Schluss nach Ägypten. Von dort schrieb sie: „nun kann ich ruhig dahinfahren, denn meine Augen haben gesehen…“ Es klingt wie die Vorahnung auf ihren unerwartet frühen Tod...

 

Lisel Oppel hatte einen großen Kundenkreis, denn der heiter farbige Stil ihrer Bilder und ihre hohe Porträtkunst waren außerordentlich beliebt. Die Kunstkritik aber brauchte lange, um sie angemessen zu würdigen. Erst mit der Biografie und dem ausführlich betexteten Bildband von Christine Krause, 2010 und 2016 erschienen, ist es gelungen, dieser Künstlerin einen angemessenen Platz in der Geschichte der Worpsweder Künstlerschaft zu schaffen .