Konzert | Johannes Haase | OLAS | 08.06.18 | 20.00 Uhr

OLAS ist Johannes Haases neues Programm, in dem er mit verstärkter und zum Teil präparierter Geige verschiedene Rhythmen und Zustände erforscht. Während eines Aufenthaltes im Februar in der Ciudad Abierta in Chile erarbeitete er neue Werke in Zusammenarbeit mit chilenischen Komponisten, sowie von der Dünenlandschaft der Küste Chiles inspirierte eigene Improvisationen und Strukturen. Dieses Programm, in dem auch Kompositionen der Minimal Music zu hören sind, präsentiert Johannes Haase nun zum ersten Mal in Deutschland im wohlklingenden Saal der Villa Sponte.

Das Projekt wurde gefördert vom Goethe-Institut, der Waldemar Koch Stiftung und der Reidemeister & Ulrichs Stiftung für Kunst und Kultur.

 

 

Die Musik des Pazifiks

 

Die wilde Brandung des Pazifiks ist eine ganz spezielle Musik, die Johannes Haase seit fünf Jahren nicht mehr missen möchte. Und wenn es ihn packt, dann geht‘s auf seinem Surfbrett hinaus auf das Meer. „Das Wasser ist so klar, aber selbst im chilenischen Hochsommer im Februar noch eisig kalt“, erzählt er. 2013 unternahm der Violinist seine erste Reise nach Chile. Dazu inspirieren ließ er sich von Christian Vásquez, den er während seines Studiums an der Hochschule für Künste in Bremen kennenlernte und mit dem er seit Langem befreundet ist.

 

Er ist ein ganz fantastischer Komponist“, schwärmt Haase, der zusätzlich an der Musikhochschule Basel freie Improvisation studierte. Nicht von ungefähr interpretiert der Violinist bei seinem Solo-Abend, in dem er unter dem Titel „Olas“ am Freitag, 8. Juni, um 20 Uhr in der Villa Sponte, Osterdeich 59b, sein neues Programm präsentiert, auch eine Komposition von Vasquez und zwar „El colibri“, in der förmlich das flirrende Flattern des kleinen, bunten Vogels zu hören ist. „Olas“, das bedeutet so viel wie Wellen. Assoziationen an ein Stück von Franz Grillparzer werden wach: „Des Meeres und der Liebe Wellen“. Und so wird das Publikum in modifizierter Form auch das Rauschen des Pazifiks vernehmen können, das beispielsweise in den Improvisationen von Johannes Haase aufscheint. „Ich liebe es, etwas Neues zu kreieren“, betont er.

 

Bei seinem Solo-Abend in der Villa Sponte wird er mit Verstärker und speziellen Effektpedalen arbeiten. So entsteht eine ganze Palette von naturhaften Geräuschen bis hin zu verzerrten Sounds in verschiedenen Klangabstufungen von laut bis leise. Außerdem wird er einen Minimal Music-Titel des Schweizer Komponisten Stephan Thele sowie „Mónada“, ein Werk des chilenischen Komponisten Sebastián de Laraechea, interpretieren. Chile ist mittlerweile zur zweiten Heimat des Violinisten geworden, der seit zehn Jahren freiberuflich bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen arbeitet und mit den Botschaftern Bremens unter der musikalischen Leitung des Chefdirigenten Paavo Järvi bereits in Chile und im brasilianischen Sao Paulo den Zyklus der gesamten Beethoven-Sinfonien spielte. Järvi setzte dann einen weiteren Fokus auf die sinfonischen Werke von Schumann und Brahms. Für Johannes Haase war es indes eine ganz bewusste Entscheidung, freiberuflicher Musiker zu bleiben.

 

So ist der Jazz zu einem seiner künstlerischen Schwerpunkte geworden. Mit seinem Johannes Haase Trio ist er übrigens schon zwei Mal in der Villa Sponte aufgetreten. „Ich liebe es, mit meiner Geige in Bereiche vorzudringen, die nicht unbedingt üblich für dieses Instrument sind“, erläutert er seinen Klangforscherdrang und seinen Hang zum Wagnis. Über den Komponisten Christian Vásquez hat er viele neue Freunde gefunden. Lernte er zunächst Santiago de Chile kennen, kam er durch die Empfehlung eines Freundes in die „Offene Stadt“, nach Ciudad Abierta. 2014 blieb er ganze vier Monate dort.

 

Und er beginnt von der offenen, kreativen Atmosphäre der Stadt am Pazifik zu schwärmen, die er als so inspirierend empfindet. „Die Häuser in Ciudad Abierta haben seit 40 Jahren eine ganz besondere, experimentelle Architektur und genauso außergewöhnlich sind die kreativen Menschen, die dort leben. Mit ihnen arbeite ich gemeinsam an Projekten, in denen wir die Architektur mit Musik und Poesie verbinden und das genießen wir sehr!“, erzählt der Violinist. Auch mit einem weiteren Freund, dem chilenischen Komponisten Francisco Concha Goldschmidt, arbeitet Haase eng zusammen. Der bildende Künstler Óscar Santis gestaltete indes das Cover der CD, auf der Haase Werke von Vásquez einspielte. Johannes Haase ist begeistert von dem offenen Geist, der diese offene Stadt prägt und natürlich von der Dünenlandschaft am Pazifik, die im Licht verschiedener Tageszeiten immer wieder in einer neuen Perspektive erscheint und von der er sich zu seinen Improvisationen hat inspirieren lassen.

 

Ich liebe es, mit meiner Geige in unübliche Bereiche vorzudringen.“ Johannes Haase

(Weser-Kurier/Stadtteil-Kurier 04.06.2018 von Sigrid Schuer)

 

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten