Ausstellung | Körpernetze | Friederike Nicolaides

01.03. - 29.03.2020


 

Körpernetze nennt Friederike Kahle-Nicolaides ihre Ausstellung. Netze fangen ein, dehnen sich, tragen. Die grobmaschigen flächigen textilen Objekte halten ihren jeweiligen Inhalt zusammen. Körper sind dreidimensionale Gegenstände. Sie werden durch ihre Grenzflächen beschrieben, ‚eingefangen‘. Körpernetze bezeichnen in der Geometrie aufgeschnittene und in der Ebene ausgebreitete Körper, Baupläne für plastische geometrische Gebilde.

Das Wort Netz scheint sich gegenwärtig selbstverständlicher der digitalen Welt zuzuordnen als der Welt der Dinge und lebendigen Beziehungen. Das Erfahrbare wird körperloser. Und wir - wir alle, Mann oder Frau - bewohnen einen Körper. Wir sind Körper, nicht denkbar ohne den Raum.

Es ist der Gegenstand, das ‚Ding‘, das plastische Objekt, an dem wir unsere existenzielle Erfahrung überprüfen, selbst handelnde Subjekte im Raum zu sein, ihn auszuloten, zu bestimmen – und ganz konkret zu verändern. Hier liegt der Antrieb für die Arbeiten Friederike Kahle-Nicolaides. Sie fragen uns direkt und in starker körperlicher Präsenz ebenso still wie schonungslos nach dieser Erfahrung: wie es ist, einen Körper zu haben, Körper zu sein – veränderlich, wirklich, in seiner äußeren und inneren Realität. Menschliche Grunderfahrungen exemplarisch zu verkörpern ist das Anliegen der Figuren, die entstehen, wachsen, prall werden, verschleißen – „Körpergehäuse“, mit einem Begriff Maria Lassnigs.

 

Die Figuren verweisen bereits in der Wahl des verwendeten Materials auf ihren Ursprung in der Zeichnung. Faden, Schnur und Draht sind die in der Fläche beheimatete Linie, die sich durch Verflechtung, Verknüpfung und Schlingenbildung im Raum materialisiert. Sie wird so zum ‚stofflichen‘ skulpturalen Objekt, zur Hülle, zur Außenhaut eines Körpers. In den ‚Reusen‘, den neuen, aus Draht geknüpften Objekten öffnet sich der Raum auch nach innen. Innen und Außen sind gleichzeitig sichtbar. Das Spiel von Licht und Schatten holt die Körpernetze als temporäre, transitorische Zeichnung zurück auf die zweidimensionale Fläche der Wand.

 

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.