Ausstellung | umsäumt | Sibylle Möndel und Jürgen Moldenhauer

vom 21.01. - 20.02.2022 | Öffnungszeiten: Di., Sa. und So. von 15 - 18 Uhr

Eröffnung am Freitag, 21.01.2022 um 18.00 Uhr | Laudatio: Kathrin Klug

Die Ausstellung ist am 8.02. und am 12.12.2022 leider geschlossen !


Jürgen Moldenhauer

Moldenhauers Faltungen aus Stahlblech wurzeln im handwerklich-maschinellen Bereich. Der Künstler gelangte über die mechanischen funktionsbestimmten Abkantungen in einer Werkstatt zum ästhetischen Umgang mit dem Material. Im Laufe der Zeit entwickelte er dabei immer neue und komplexere Formvorstellungen. Nun lotet er in verschiedensten Varianten die Möglichkeiten aus, die das sperrige Material zulässt. Stahlbleche und herkömmliche Werkzeuge erlauben nur ein begrenztes Spektrum an Faltungen. Moldenhauer nutzt deshalb selbst entwickelte Apparaturen, um die Stahlbahnen abseits des rechten Winkels in buchstäblich vielfältige Abzweigungen und Abknickungen zu treiben und in eine dreidimensionale Form zu bringen. … (Ausschnitte aus dem Text von Dr. Rainer Beßling)

 

Mit seinen Betonarbeiten, einer zweiten Werkgruppe, gelingt Moldenhauer eine Transformation des an sich so spröden Materials. Glatte, schöne, phantasievolle Formen und Gestaltungen geben dem Beton Leben und Schönheit, ja man ist versucht, sie zu berühren, entlangzugleiten, zu streicheln, auf eine haptische Exkursion zu gehen.

 

Die Betonobjekte treten in einen Dialog mit der Umgebung, suchen andere Objekte, fügen sich ein in ein universelles Ordnungssystem, deren Entschlüsselung fast unlösbar erscheint.

Kein auf den ersten Blick bekannter Logarithmus ist anwendbar. Zahlen, Buchstaben, Symbole die verdreht, gespiegelt, zum Teil nicht mehr entzifferbar sind, weisen auf die Einzigartigkeit und gleichzeitig auf ein dazugehören hin.

 

Das Material ist spröde, schwer, hat oftmals eine raue Oberfläche. Glatte und sehr feine Gliederungen sind aber ebenfalls Objekteigenschaften.

Eine Sonderform der Betonarbeiten nehmen die ein, welche glasversiegelte Oberflächen aufweisen. Sie erinnern sehr häufig an Landschaftssoden, die aus einem Größeren herausgestochen und nun alleine bestehen müssen. Einige Glasversiegelungen lassen in das Objekt blicken, andere sind farbig hinterlegt und der Blick bleibt an der Oberfläche.

Lichtspiegelungen erscheinen im Raum: Die mehrfach überschichteten Glasplatten entwickeln eine ganz eigene Dynamik: sie sind durch einen Schmelzprozess miteinander verbunden und gehen eine Gemeinsamkeit, ein harmonisches Miteinander ein.

Genauso kann es zu Spannungszuständen kommen, die die Glasfläche zum Reißen bringt.

 

Auflösungserscheinungen sind die Folge. … (Ausschnitte aus dem Text von Hans-Volker Feldmann, Otterndorf)

Sibylle Möndel

Sibylle Möndel führt uns mit ihren Arbeiten in ein Gebiet – in ihre (Bild) Gebiete gewissermaßen –, die einer sehr komplexen Auffassung und Wahrnehmung bedürfen. Statt der wahllosen Anhäufung reiner Abbildmassen gehen diese auf die Verschichtung ganz und gar unterschiedlicher Ebenen zurück, die die intensiv erfahrene Wirklichkeit um sie herum – samt und besonders auch anhand von Versatzstücken millionenfach reproduzierter Medienbilder – mit einer gänzlich eigenen Sichtweise der Welt verbindet.

Auch wenn sich die Künstlerin mit verschiedenen Werkgruppen offensichtlich auf ganz verschiedene Gebiete begibt, so zeigt sie auf außergewöhnliche Weise, dass wir uns stets auf einem irgendwie zusammengehörigen Terrain – eben dem Gebiet einer völlig eigenständigen (und somit eindeutig wiedererkennbaren) künstlerischen Ausdruckssprache – bewegen, in der ein Bild das andere zu ergeben scheint und damit gleichsam Weite erhält.

 

Dieser Eindruck einer in sich geschlossenen und konsequent sich weiter entwickelnden Vorstellungswelt beruht sowohl auf dem Themen- und Motivkreis, den Sibylle Möndel bevorzugt behandelt, als auch auf ihrer künstlerischen Vorgehensweise selbst. Mensch und Natur stehen im Mittelpunkt ihrer Sujets, beide Seiten in der Regel je für sich alleinstehend, nur ein Hund (oder ist es vielleicht doch ein Wolf?) verirrt sich da mitunter in die Wildnis ihrer scheinbar ursprünglich belassenen Landschaften. Als schier unauflösbare Dickichte müssen andererseits auch die Verdichtungen der verschiedenen, im Allgemeinen als eigentlich einander widerstrebend geltenden künstlerischen Techniken wirken, die Sibylle Möndel in eine einzigartige Symbiose zu bringen versteht; von freier, gestischer Malerei hier, mit am Computer bearbeiteten Fotografien dort, von denen einzelne Kompartimente per Siebdruck auf die Leinwände versetzt sind und zugleich doch alle sämtlich – Malgestus, Fotografie, grafische Raster und Lineamente – sozusagen wie aus einem Guss anmuten. Es handelt sich um informelle Malerei, aber sehr wohl Form und Fläche konstituierend, es handelt sich um Fotografisches, aber nirgends abbildhaft gedacht, und – handwerklich betrachtet – ist es klassischer Siebdruck, aber nie etwa zum Zweck der Herstellung von Auflagenobjekten angewandt. Seit 2014 in der Siebdruckwerkstatt des Künstlerhauses Stuttgart arbeitend, hat Sibylle Möndel diese Kombinationstechnik inzwischen immer weiter verfeinert und wendet sie in mehrfachen Arbeitsgängen abwechselnd miteinander an.

In den auf diese Weise entstehenden beziehungsreichen Überlagerungen von Ebenen gilt es für die Figuren im Bild ebenso wie für die das Bild Betrachtenden, eigene Pfade durch die Sinn- und Augenlabyrinthe zu finden, Wege und Unwägbarkeiten immer wieder neu zu bemessen. Unabhängig davon, ob wir es angesichts der gezeigten Darstellungen mit Opfern von Landminen, Gruppen von Zuflucht Suchenden oder auch etwaigen Selbstbildnissen der Künstlerin zu tun haben, vergibt Sibylle Möndel für ihre Arbeiten in aller Regel in jedem Fall ausschließlich Nummern und keine Titel, und sie fordert damit die individuelle Imaginationsgabe jedes Einzelnen noch zusätzlich heraus.  (Ausschnitte aus dem Text des Kunsthistoriker Clemens Ottnad M. A.)