Konzert | Johannes Haase & Johanna Bochert | 03.09.2018 | 20.00 Uhr



Jazz bis Avantgardepop:

Mit der Pianistin Johanna Borchert und dem Geiger Johannes Haase treffen zwei außergewöhnliche, rothaarige, in Bremen bestens bekannte junge Musiker der kreativen Musikszene aufeinander. In ihrer Kollaboration beleuchten sie ihre Wurzeln der klassischen und zeitgenössischen Musik. Ausgehend von Kompositionstechniken und Klängen von Komponisten wie Ligeti, Berio, Cage, Messiaen und Bach suchen sie nach neuen Ausdrucksweisen und erweitern ihr Vokabular in Improvisationen, den Meistern widerfährt eine zeitgenössische Neudeutung und sie werden ins Hier und Jetzt geholt. Das Projekt hatte Premiere am Jazzfestival Kopenhagen im Juli 2018 und ist nun zum ersten Mal in Bremen zu hören.

 

Die Berliner Pianistin und Sängerin Johanna Borchert ist eine Klangsucherin.

Mal experimentell, dann wieder mitsingbar

Dynamische, kräftig gesungene Singer-Songwriter-Passagen in „Wide Land“ wechseln mit minimalistischen, klangmalerisch gesetzten Tonfolgen in „Birdie Toes“. Sie spannt Bogenhaar oder Kaugummistangen zwischen Klaviersaiten und schlägt, kratzt, zupft immer neue Farben aus dem Instrument. Eine Tontüftlerin, die frei und experimentell unterwegs ist und gleichzeitig mitsingbare Verse anbietet. So wie die Zeile „We’re all fucking funny freaks“ aus dem Song „Lightyears“, zu dem es auf Johanna Borcherts Homepage ein schickes Video gibt, in dem sich die mit knackiger Percussion akzentuierte Nummer als eingängiger Pop empfiehlt.

Nicht zu komisch?“, fragt sie die Leute einmal, als sie eine ihrer ausdauernden Klangexpeditionen beendet. Und als die sichtlich animiert die Köpfe schütteln, sagt die kühl-konzentrierte Frau, die so gar nichts von einem Nerd hat, „Ich kann noch komischer!“ und schickt sich an, Essstäbchen ins Klavier zu friemeln.

 

Johannes Haase bewegt sich als äußerst vielseitiger Geiger auf elektrischem und modernem Instrumentarium im Grenzgebiet von zeitgenössischer Musik, Jazz und improvisierter Musik. Er ist bekannt für seine mitreißenden Interpretationen von zeitgenössischer Musik, seinen Erfindungsreichtum beim Entwickeln von Spieltechniken, und seinen für Geiger einzigartigen Einsatz von Effektgeräten.

Neben seinen Solo-Projekten spielt er weltweit mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Kammerorchester Basel, weitere Zusammenarbeit mit dem Absolut Ensemble New York, dem Hip-Hop Veteran Flowin Immo, der Großformation the dorf, oh-ton Ensemble, den Geigen-Schlagzeug-Duos ohneland und Scylla, sowie den Improvisationsgruppen Myotis Kollektiv und The First Church of Free Music (CH). JH hat mir dem Ryan Carniaux Quintet und Johanna Borchert Band gespielt. Er ist Mitbegründer des Kommas Ensemble Köln.

 

Johannes Haase hat Violine und freie Improvisation in Bremen und Basel bei Fred Frith, Thomas Klug und Alfred Zimmerlin studiert. Weiteren Unterricht hatte er bei Irvine Arditti, Igor Ozim, Mitgliedern des Ensemble Modern, sowie bei Kala Ramnath in Mumbai und bei Ellery Eskelin in New York.