Lesung | Jindřich Mann | Prager Frühling | 28.07.18 | 19.00 Uhr

Jindřich trifft Heinrich: Mann-Besuch aus Prag in Bremen

 

Jindřich Mann ist auf Einladung der Heinrich Böll-Stiftung Bremen und des deutsch-tschechischen Freundschaftsvereins PORTA BOHEMICA e.V.  Anlass ist der 50. Jahrestag der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ am 20./21. August 1968.

 

Jindřich Mann liest u.a. aus seinem Buch „Prag, Poste Restante – Eine unbekannte Geschichte der Familie Mann“. Darin berichtet er von den dramatischen Ereignissen vom August 1968, die auch beim seinerzeit ebenfalls in Prag präsenten Heinrich Böll tiefe Spuren hinterließen. Großen Raum nimmt ferner Manns Kindheit mit Mutter Leonie ein, der Tochter Heinrich Manns, und seinem Vater, dem genialen Erzähler Ludvík Aškenazy.

 

Die „unbekannte Geschichte der Familie Mann“ beginnt mit Jindřich Manns Großmutter Maria, die aus einer deutschböhmisch-jüdischen Familie in Prag stammt. Als Schauspielerin lernte sie Heinrich Mann 1913 in Berlin kennen. 17 Jahre später, nach der Scheidung, kehrte Maria „Mimi“ Mann nach Prag zurück. 1940 wurde sie nach Theresienstadt deportiert.

 

Nach der Flucht seiner Familie 1968 in die Bundesrepublik studierte Jindřich Mann an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in West-Berlin. Nach eigenem Bekunden verstand er sich nicht allzu gut mit den Kommiliton*innen der 68-Generation: „Sie verwarfen die mir eigene böhmische Fantasie und wollten alle umerziehen!“  Vor dem Hintergrund seiner Diktatur-Erfahrungen in der ČSSR irritierte ihn die prinzipienfeste Rigorosität vieler westdeutschen Altersgenoss*innen, er fühlte sich „als Exot am richtigen Ort (der Filmstadt Berlin) zur falschen Zeit“.

 

1989 kehrte Jindřich Mann in seine Geburtsstadt Prag zurück, wo er mit großem Erfolg für das Fernsehen arbeitet.

 

Für die Bremer Lesung hat Mann einen Teil seines ersten Erzählbands „Lední medvěd“ (Der Eisbär) übersetzt, der Anfang des Jahres auf Tschechisch erschien. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Ivo Bock aus Bremen/Brno, langjähriger Mitarbeiter Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen.

 

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten